Features im Radio

Features

Dienstag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Karl Wolfskehl Der Zeus von Schwabing muss ins Exil Mythos Schwabing Vom Vorstadtdorf zum Treffpunkt der Avantgarde Das Kalenderblatt 24.5.1924 Erste Radiosendung mit Jazz in Deutschland Von Frank Halbach . Karl Wolfskehl - Der Zeus von Schwabing muss ins Exil Autor: Leo Hoffmann / Regie: Rainer Schaller 1947 veröffentlicht der Zürcher Origo-Verlag ein schmales Din-A5-Heft mit dem Gedicht "An die Deutschen" - vier Strophen, ein Abgesang. Sein Autor, Karl Wolfskehl, hatte als "Zeus von Schwabing" Münchens Literaturszene beherrscht. Sowohl Jünger von Stefan George als auch im Kreis der "Kosmiker" fördert er die Künstler des Blauen Reiter, netzwerkt mit Philosophen und Historikern, verreist mit Alfred Kubin, gründet die Münchner Rotarier. Zum Jour fix und den Maskenfesten von Karl und Hanna Wolfskehl erscheinen die Kunst, Literatur und Musik prägenden Größen der Stadt. Als die Inflation sein Vermögen verschlingt, muss der Büchersammler und Weinkenner als Autor, Übersetzer und Lektor Geld verdienen. 1933 zerstören die Nazis sein literarisch-künstlerisches Leben: Weil er Jude ist, flieht Wolfskehl über die Schweiz nach Italien und von dort 1938 nach Neuseeland. Als "Exul Poeta" reißt er sich dichtend von seiner geistigen Heimat los. "An die Deutschen" ist seine Abrechnung: "Euer Wandel war der meine". Mythos Schwabing - vom Vorstadtdorf zum Treffpunkt der Avantgarde Autorin: Ulrike Beck / Regie: Eva Demmelhuber Schwabing ist weit mehr als ein Stadtteil Münchens. Es ist ein Ort, der längst zum Mythos geworden ist. Dank seiner glanzvollen Zeit zwischen 1890 und 1914, als München zum Magneten für Künstler aus aller Welt wurde und das ursprüngliche Dorf Schwabing zum Viertel, in dem sich Maler, Schriftsteller, Musiker, Journalisten und Freigeister niederließen. Schwabing wird zum "Welt-Vorort des Geistes", zum "bayerischen Montmartre". Ein Ort, in dem die Bohemiens sich in Cafés, Wirtshäusern und literarischen Zirkeln treffen und trotz Zensurgesetz in einer nie da gewesenen Freiheit Grenzen überschreiten und ausdehnen. Egal, ob sie aus Husum, Lübeck oder Hannover kommen: Die Künstler sind die "Schwabinger Schlawiner". Die große Zeit der Bohemiens endet jedoch jäh mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, und erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt der Geist Schwabings sich wieder zaghaft zu regen. Schwabing wird zunächst zum Amüsierviertel und dann 1962 zum Schauplatz der "Schwabinger Krawalle". Tagelang liefern sich Polizei und Protestanten Straßenschlachten. Die Schwabinger Krawalle gelten als Vorläufer einer neuen Ära, der 68-Bewegung, die in der ganzen Bundesrepublik gegen das Establishment aufbegehrt. Eine Zeit, in der ein ganz anderer Zeitgeist wehte, als heute. Auch in Schwabing. BR 2017 Moderation: Constanze Fennel Redaktion: Thomas Morawetz

Dienstag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Römische Thermen Badekultur und Herrschaftsanspruch Der Berliner Sportpalast Nazi-Aufmärsche, Ballfeste, Radrennen Das Kalenderblatt 24.5.1924 Erste Radiosendung mit Jazz in Deutschland Von Frank Halbach . Römische Thermen - Badekultur und Herrschaftsanspruch Autorin: Julia Devlin / Regie: Martin Trauner Die Thermen, die die römischen Kaiser bauen ließen, sind selbst als Ruinen noch beeindruckend. Staunend steht man in Rom vor den Überresten aus Ziegeln und Beton und versucht sich die Pracht vorzustellen, die zeitgenössische Schriftsteller beschrieben: kostbarer Marmor, polierter Granit, aufwendige Mosaiken. Die Badekultur war ein allgegenwärtiger Bestandteil römischen Lebens, in der Metropole Rom wie in abgelegenen Provinzstädten, und selbst die Legionslager an den unwirtlichen Außengrenzen des Imperium Romanum hatten ihre Militärbäder. Die Herrschenden förderten die Badekultur. Sie manifestierten und rechtfertigten dadurch ihren Machtanspruch und setzten sich durch die Opulenz der Badeanlagen, aber auch durch eine subtile Symbolik ein Denkmal. Denn wer Feuer und Wasser, die für die Badefreuden essentiellen Elemente beherrschte, dem konnte man getrost auch die Regierungsgeschäfte anvertrauen. BR 2021 Der Berliner Sportpalast - Nazi-Aufmärsche, Ballfeste, Radrennen Autorin: Renate Eichmeier / Regie: Eva Demmelhuber Der Berliner Sportpalast war ein Palast der Superlative. 1910 als größte Veranstaltungshalle Berlins eröffnet, sollte er dem exponentiellen Bevölkerungswachstum gerecht werden: eine Halle für Massenveranstaltungen, mit der damals größten Kunsteisbahn in Europa und mit Eintrittspreisen, die für Menschen aller Schichten erschwinglich waren. Aber trotz der Superlative schrammten die wechselnden Betreiber immer wieder knapp an der Pleite vorbei - sogar in den massenbewegten Zwanziger Jahren, als der Sportpalast einen Boom erlebte. Während eine Sportschule umfangreiche Trainingsmöglichkeiten für männliche wie weibliche Sportwillige bot, sorgte ein breites Veranstaltungsangebot für ein volles Haus: Eishockey, Boxkämpfe, das jährliche Sechstagerennen, Konzerte, Tanzpartys ... Auch politische Gruppen aller Couleur mieteten die Halle für ihre Zwecke. Nicht zuletzt die aufstrebenden Nationalsozialisten nutzten den Sportpalast für Massenkundgebungen - und blieben ihm auch nach der Machtübernahme treu. 1943 inszenierte Goebbels dort seine berüchtigte Rede "Wollt ihr den totalen Krieg". 1973 wurde der Sportpalast abgerissen. BR 2020 Moderation: Constanze Fennel Redaktion: Nicole Ruchlak

Dienstag 19:15 Uhr Deutschlandfunk

Das Feature

Tuzla, Exodus Arbeitsmigranten aus Ex-Jugoslawien Von Zoran Solomun Regie: der Autor Produktion: Deutschlandfunk 2020 Ibrahim, Avdo und Ismet sind ausgebildete Krankenpfleger. Sie haben kaum Chancen, in ihrer Heimat Bosnien-Herzegowina einen Job zu finden. Denn fast 70 Prozent der jungen Menschen dort sind arbeitslos. Deshalb wollen die drei nur eines: weg. Sie haben nicht ihren Traumberuf gelernt, sondern das, was in Westeuropa gefragt ist. Tuzla war einmal ein entwickeltes Industriezentrum. Nach dem Zerfall Jugoslawiens setzte eine chaotische, teils kriminelle Privatisierung ein. Allein seit 2013 haben 150.000 Menschen Bosnien-Herzegowina verlassen, fünf Prozent der Bevölkerung. Das Land verliert eine ganze Generation von jungen Menschen. Laut einer Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos werden Deutschland im Jahre 2030 um die drei Millionen Facharbeitskräfte fehlen. Jedes Gesetz, das die Anstellung von Migrantinnen und Migranten erleichtert, wird von der deutschen Öffentlichkeit begrüßt. Was aber sind die Folgen der Massenauswanderung von Fachkräften in den jeweiligen Ursprungsländern? Ibrahim, Avdo, Ismet und andere junge Menschen aus Tuzla sprechen offen über ihre Probleme und Hoffnungen, die sie das Glück lieber woanders suchen lassen. Tuzla, Exodus Hören 43:51Hören 43:51

Dienstag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Moderne Nomaden Von selbstbestimmter Arbeit unter Palmen und erzwungenen Ortswechseln Von Ernst-Ludwig von Aster und Anja Schrum Denkfabrik 2022: Von der Hand in den Mund. Wenn Arbeit kaum zum Leben reicht Jahrtausende lang waren Nomaden die Triebfeder des Fortschritts: Sie transportieren und handelten Waren und sorgten für Geld- und Informationsaustausch. Heute preisen Szene-Magazine das "moderne Nomadentum". Ob Programmieren unter Palmen oder Working im Van - der "nomadische Lifestyle" finden viele hip. Mit dem pandemiebedingten "Home Office" hat das ortsunabhängige Arbeiten einen weiteren Schub erfahren. Doch "modernes Nomadentum" ist nicht immer freiwillig und selbstbestimmt: Viele Berufstätige sind zu permanenten Ortswechseln gezwungen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etwa müssen immer wieder Arbeits- und Lebenswelten wechseln für die Karriereleiter. Und auf den Autobahnen Europas rollen tausende LKW, deren osteuropäischen Fahrer monatelang ihre Heimat nicht gesehen haben ...

Dienstag 20:00 Uhr NDR kultur

Feature

Vom Grashalm im Sturm Klimakrise - eine persönliche Annäherung Von Elisabeth Weilenmann ORF 2022 August 2018. Es ist der Sommer, in dem sich Greta Thunberg zum ersten Mal an einem Freitag auf die Straße setzt und der Sommer, in dem ich einem befreundeten Redakteur meine Zukunftssorgen klage. Er fragt mich, ob ich eine Radiosendung zum Thema Klimawandel machen wolle. Ich sage zu, lese von zig Millionen Klimaflüchtlingen in naher Zukunft, von apokalyptischen Szenarien, ich lese von harten Fakten. Ich schiebe das Thema vor mir her wie eine Betonwand, die unsichtbar ist, aber schwer wiegt. Drei Jahre brauche ich, um mich dem Thema ernsthaft zuzuwenden, es zuzulassen, es wirklich wahrzunehmen. Und schöpfe bei aller negativer Faktenlage Hoffnung? 20:00 - 20:03 Uhr Nachrichten, Wetter Feature

Dienstag 22:03 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Feature

Station Sehnsucht Eine Ortserkundung an der Autobahnraststätte Von Annette Scheld Regie: Anke Beims Mit: Inka Löwendorf Ton: Hermann Leppich Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020 Länge: 53"32 Ein Nicht-Ort wird vermessen. Menschen aller sozialen Klassen steigen hier aus ihren fahrbaren Kapseln. Zwischen Bockwurst und Sanifair finden manche Zeit zum Erzählen: über Transitorte, Unterwegssein und die Möglichkeit des Abenteuers. Unscheinbar liegen sie an den Autobahnen, oft in idyllischer Landschaft. Wer dort aussteigt, den erwartet ein effizient durchverwalteter Nicht-Ort mit Toilette und Bockwurst - und andere Verkehrsteilnehmerinnen aller sozialen Klassen, die vor allem weiterwollen. Was ist, wenn man doch etwas länger bleibt? Ein Feature über Transitorte, Unterwegssein und die Möglichkeit des Abenteuers unter einer schäbigen Oberfläche. Und über ein weißes Reh am Autobahnrand. Annette Scheld lebt und arbeitet in Hamburg. Nach einem Studium der Germanistik, Politikwissenschaften, Philosophie und Filmwissenschaft freiberufliche Arbeit für Film und Fernsehen, dann Printjournalismus, seit einigen Jahren Reportagen, kleine Features, kurze Eigenproduktionen fürs Radio, bisher ein Hörspiel: "Harald" (NDR 2017). Eine Ortserkundung an der Autobahnraststätte Station Sehnsucht

Montag Mittwoch